Statement zur Reform der GEMA

Kommentar

Der Angriff kommt zu einem günstigen Zeitpunkt. Seit Jahren werden Gelder für Kunst und Musik gestrichen – und der Protest bleibt aus. Es ist ein guter Zeitpunkt, den unliebsamen und unverständlichen Komponist*innen Neuer Musik ihren Platz zu zeigen, denn wer wird sich schon schützend vor sie stellen?

Musikunterricht in Schulen – wenn er überhaupt angeboten wird – hat in etwa die Anerkennung von Beschäftigungstherapie, die Kultursparten der öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten wurden stark dezimiert, ohne großen Widerstand in Gesellschaft und Medien. Die Bundesmittel für die freie Szene wurden für dieses Jahr (bei gestiegenem Kulturetat) halbiert, Köln und Berlin streichen Gelder in einem drastischen Ausmaß, doch abgesehen von den betroffenen Künstler:innen regt sich kaum jemand auf. Ob es Ermüdungserscheinungen durch eine Dauerbefeuerung an schlechten Nachrichten sind, das Gefühl, genug mit dem eigenen Überleben zu tun zu haben, oder Resignation, kann ich nicht sagen. Die Gesellschaft scheint sich damit abgefunden zu haben, dass zeitgenössische Kunstmusik, Neue Musik, wie man sie auch nennen mag, abgewickelt wird, dass wir sie nicht brauchen. 

Nun soll auch die unliebsame E-Musik endgültig verschwinden, mit dem Argument sie sei nicht mehr zeitgemäß. Mit Marketingsprech und schicken Graphiken suggerieren die Macher der Reform eine Unverhältnismäßigkeit, mit der sich die E-Musik Komponist:innen in der Wertung besserstellen, auch wenn die Vermögenden der Branche allesamt auf der anderen Seite der Einteilung zu finden sind. 

Dabei brauchen wir dringend eine Öffnung der E-Musik hin zu neuen experimentellen, freien und kritischen Musikformen, die derzeit noch durchs Raster fallen. Und von mir aus auch einen neuen Namen. Der aktuelle Vorschlag für eine Reform allerdings wird niemandem aus der freien Szene helfen, und auch das Gros der U-Musik-Komponist:innen nicht besserstellen, sondern nur denen, die in absoluten Zahlen eh am meisten bekommen, noch etwas mehr geben. 

Kunstmusik existiert nur durch Förderung. Um diese zu verteidigen, braucht es eine Öffentlichkeit, die sich den großen Unternehmen entgegenstellt. Diese Öffentlichkeit scheint allerdings gerade mit anderen Problemen okkupiert zu sein. 

Der Angriff kommt zu einem günstigen Zeitpunkt.

Weitere Texte in dieser Ausgabe:

Statement von Moritz Eggert, Präsident des Deutschen Komponist:innenverbandes

Gedanken zum Reformvorhaben der GEMA von Franz Martin Olbrisch

„GEMA-IRRSINN“ = bye bye Neue Musik?! von Iris ter Schiphorst